Stellungnahme Waldkindergarten

Bei diesem Brief handelt es sich um ein Schreiben der Vorstandschaft, welches an die Gemeinde Ihringen gerichtet ist und auch in dieser Form der Gemeinde zugestellt wurde.

 

Anschrift:

Herrn Bürgermeister Eckerle

Gemeinderat

 

Betreff: Nutzung des Vereinsgeländes des Schützenvereins Ihringen 1958 e.V.

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates Ihringen,

wie wir aus verschiedenen Gesprächen und Begehungen wissen besteht sehr konkret die Absicht Teile des Geländes des Schützenvereins (SV) für einen Waldkindergarten in Anspruch zu nehmen.

Wie sicherlich bekannt, gibt es hierbei einige Probleme, die sich mit den Zielen des Waldkindergartens nicht in Einklang bringen lassen. Aus unserer Sicht scheint auch das Gelände für die Elterninitiative nicht die bevorzugte Wahl zu sein, da dort zu viele Kompromisse eingegangen werden müssten.

Die jetzige Infrastruktur, zu welcher unter anderem die nachfolgenden Punkte zählen, genügt gerade noch dem SV, jedoch nicht einer weiteren Nutzung:

  1. Stromversorgung ist minimal ausgelegt und führt regelmäßig zu Überlastungen, das jetzige Kabel wurde in den 50er Jahren vom SV verlegt und ist im Eigentum des SV

  2. Die Wasserversorgung ist lediglich eine Brauchwasserversorgung und hat keine Trinkwasserqualität, die Ergiebigkeit des Brunnens ist ebenfalls sehr zweifelhaft auch diese Leitung und der Brunnen wurden in Eigenregie des SV angelegt

  3. Die Entwässerung besteht nur aus einer Klärgrube mit sehr begrenzten Ausmaßen; so muss diese regelmäßig nach dem Vatertag, dem 1. Mai und darüber hinaus entleert werden

  4. Der Untergrund bzw. die Bodenqualität ist sehr fragwürdig, da hier in den 70er und 80er Jahren verschiedene Abbruchmaterialien, Abfall und Schutt vergraben wurden (z.B. auch die Reste des Rathauses und des Winzerkellers)

  5. Die Telefonverbindung besteht ausschließlich aus einem Festnetzanschluss im Schützenhaus, der nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Empfangsmöglichkeiten für Mobiltelefon bestehen nicht

Wie aus Ziffer 1-5 erkennbar, entspricht die Infrastruktur nicht den Anforderungen eines Waldkindergartens und müsste erstmal grundsätzlich geschaffen werden.

Außerdem wollen wir darauf hinweisen, dass ein reger Verkehr von und zum Lilienhof stattfindet, der sicher in den Bring- und Abholzeiten zu Gefährdungen führen kann. Es müssten auch zahlreiche Rodungsarbeiten der umliegenden Waldstücke erfolgen, weil nach jetzigem Stand Gefährdungen durch umstürzende Bäume gegeben sind. Des Weiteren müsste die vordere Baumreihe (zur Straße hin) gerodet werden, um entsprechende Parkplätze anlegen zu können. Das Parken von Eltern auf unserem Gelände würde zu weitreichenden Gefährdungen führen, die wir aufgrund des Schießbetriebes und der sich daraus ergebenden Sicherheitsmaßnahmen nicht hinnehmen können. Das Eingangstor muss aus unserer Sicht immer verschlossen sein, ansonsten besteht die Befürchtung, dass das Gelände zum öffentlichen Parkplatz mutiert. Zusätzlich halten wir das Gelände für ungeeignet, weil wir regelmäßig mit einer Zeckenplage zu kämpfen haben.

Unser Schützenverein besteht zurzeit aus 12 aktiven Kugelschützen, die in der Schießhalle trainieren und ca. 40 aktiven Bogenschützen, zzgl. ca. 10 Jugendlichen, die für den Trainingsbetrieb auf unterschiedlichste Distanzen schießen müssen und das Außengelände in Anspruch nehmen. Diese reichen von 18 bis 90 Meter.

Die Einrichtung des Waldkindergartens, einschließlich der erforderlichen Außenflächen würde den Trainings- und den Turnierbetrieb so stark einschränken, dass dieser so nicht mehr möglich wäre. Der Schießbetrieb erfordert größere Sicherheitsabstände, die auch vom deutschen Schützenbund e.V. so gefordert sind. Das Einhalten der Mindestsicherheitsabstände wäre durch die Einrichtung des Waldkindergartens nicht mehr gewährleistet. Die Vereinsmitglieder haben in den vielen Jahren der Nutzung gelernt mit gewissen Mängeln des Geländes und der Infrastruktur zu leben und diese zu akzeptieren. Den Ansprüchen von kleinen Kindern, die der besonderen Obhut des Staates und der Kommune bedürfen wird dieses Gelände nicht gerecht. Wir sind deshalb der Meinung, dass dieser Standort als Waldkindergarten ungeeignet ist und lehnen jegliche Inanspruchnahme ab.

Der SV engagiert sich seit sehr vielen Jahren für die Gemeinde und das Gemeinschaftsleben durch z.B. die Ausrichtung des 1. Mai- und des Vatertag- Hocks, des Vereineschießens, des Sommerferienprogramms und der Durchführung von Turnieren mit großer auswärtiger Resonanz. Dieses Engagement der Vereinsmitglieder für die Dorfgemeinschaft wird durch die Absicht der Gemeinde mit Füßen getreten und man darf sich schon fragen, ob hier eine gerechte Abwägung der Interessen stattfindet.

Zu guter Letzt weißen wir darauf hin, dass große Teile der Fläche für den geplanten Waldkindergarten sich im Eigentum oder im Miteigentum des Vereins befinden. Bis heute wurde der Verein nie gefragt, ob er sein Gelände auch zur Verfügung stellt. Da diese Frage ernsthaft an der Existenz des SV rüttelt, müsste dies in einer Mitgliederversammlung beschlossen werden. Insoweit ist eine kurzfristige Antwort Corona-bedingt leider nicht möglich.

Wir haben viel Verständnis für die Lage der Gemeinde, aber für uns sind alternative Standorte nicht ausreichend geprüft worden. Zumindest ist dies für uns nicht transparent. Wir würden die Gemeinde gerne unterstützen, was wir auch schon oft bewiesen haben, dies darf aber nicht den Verein in seiner Existenz gefährden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Dietmar Möcklin, 1. Vorstand

 

Wir behalten uns vor, dieses Schreiben presseöffentlich zu machen